Zerstörer-Bayern-Oldies. Die Seite der Bayernfahrer von 1965 bis 1994

Treffen 2009

Begrüßungsansprache anläßlich des ZBO-Treffen am 24.4.2009 von Bernd Molnar

Unser Kommandant Heinz Harre am Rednerpult, rechts Bernd Molnar




Wilhelmshaven, 24.04 2009
 
Herr Kapitän Harre, meine Damen, Kameraden,
eigentlich ist es doch ein Anachronismus: in dieser wahnsinnig schnelllebigen Zeit treffen sich rund 70 gestandene Männer, die vor circa 40 Jahren eine ziemlich kurze Zeit ihres Lebens gemeinsam auf einem Schiff der Bundesmarine, dem Zerstörer BAYERN verbracht haben, um heute in Erinnerung zu schwelgen und alte Zeiten aufleben zu lassen.
Dabei stehen doch für viele im Übergang zum Rentnerdasein ganz andere Fragen an, die eine Entscheidung fordern: Aktien- oder Immobilienfonds? Stadtwohnung oder Häuschen im Grünen? Kukident oder Corega-Tabs?
Also irgendetwas muss damals gewesen sein, was Euch bewogen hat, heute zu diesem Treffen nach Wilhelmshaven, dem damaligen Heimathafen der BAYERN, zu kommen.
Zu diesem Treffen begrüße ich Euch in dieser überraschend großen Anzahl ganz herzlich und wünsche Euch ein erquickliches Wochenende im Kreise der Oldies!
Kameraden, die Dienstzeit eines Marineoffiziers beträgt im Schnitt rund 40 Jahre. Ganze 2 Jahre davon – also gerade mal 5 Prozent- können auf eine Kommandantenzeit entfallen. Viele- eigentlich alle- ehemaligen Kommandanten halten diese Zeit für die schönste und wichtigste in ihrer ganzen Marinelaufbahn. So können wir ganz besonders stolz darauf sein, heute unseren Kommandanten von damals in unserer Mitte zu haben.
Herr Kapitän Harre, ein herzliches Willkommen Ihnen und Ihrer Frau Gemahlin hier im Gorch-Fock-Heim !
Sie haben es geschafft, aus einer Menge junger Leute eine Mannschaft zu formen und ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu erzeugen, das sich wie man sieht bis in die heutige Zeit erhalten hat. Rolf Müller, der aus Krankheitsgründen hier leider nicht teilnehmen kann, hat seinen Emotionen per E-Mail freien Lauf gelassen und schrieb (Zitat):
..da gabs einen Kapitän Harre mit seinen Offizieren und PUOs, der hat aus wilden Halbwüchsigen (fast noch Kindern) Männer gemacht. …. Wir waren Harre´s 68er ! (Zitatende).
(Ein weiteres berührendes E-Mail findet sich in der Broschüre.)
Aber nicht nur das, Sie haben uns auch immer (manchmal mit Schwierigkeiten) gesund und vollzählig wieder nach Hause gebracht ! Dafür gebührt Ihnen unser ganz besonderer Dank !
Meine erste bleibende Erinnerung an Sie datiert gleich nach dem Kommandantenwechsel. Sie gingen nach der Musterung mit Kapitän von Witzendorf zurück auf Ihre Kammer, und nach etwa 1 Stunde kamen ein strahlender und ein weinender Kapitän, beide nicht mehr ganz sicher auf den Beinen, zur Verabschiedung an die Stelling. Warum man in solchem Moment den Tränen ganz nahe ist, habe ich erst viel später am eigenen Leib erfahren.
Ein weiteres Willkommen in diesem Kreis gilt unserem Schmadding, dem Hauptbootsmann Gerull. Ebenfalls im fortgeschrittenen Alter–wie unser Kommandant- hat er sich eine Teilnahme nicht nehmen lassen. Rau, aber herzlich und mit viel Seele, so ist er mir in Erinnerung. Und die guten Sachen, die eine Seemännische Nummer 1 haben muss, fanden sich bei ihm immer in oder unter der Koje…
Iwan, ich denke, das kannst Du bestätigen !
Der erste SWO, OLtzS v. Wiarda, heute KptzS a.D. hat sich über den Kontakt zu Rüdiger Bernoteit besonders gefreut. Er hat ein Grußwort geschrieben, das in der Festbroschüre abgedruckt ist. Er wünscht uns allen fröhliche Stunden mit angenehmen Gesprächen über gemeinsame Erlebnisse auf „unserem“ Schiff.
DBZM , das war das Rufzeichen der BAYERN.
Am 06.07.1965 wurde sie in der Stülckenwerft in Hamburg in Dienst gestellt. Es folgten monatelange Tests und Probefahrten, wobei auf der Tiefseemeile 33 Knoten erreicht wurden ! (Später mit probeweise eingebauten 7-Blatt-Propellern waren es mal über 40 kn!)
Ein Highlight aus dieser Zeit:
Eine Breitseite mit allen 4 Türmen mit je 60 Schuß Dauerfeuer!
Und noch eins: ein Wettschießen mit der HAMBURG:
1 AWM auf BAYERN: HptBtsm Scherer, Paul
1 AWM auf HAMBURG: HptBtsm Scherer, Alfred
(nicht verwandt und nicht verschwägert).
Gewonnen haben wir trotz defekter Rohrkühlung !
Schön sah sie aus, die BAYERN in ihrem weißen Anstrich.
Auch hier eine Episode: Einlaufen in Santa Cruz de Tenerife.
Vorher aber wird das Schiff neu gepönt. Und vor dem Einlaufen sollte dann auch noch Kraftstoff vom Tanker übernommen werden (schweres Heizöl).
Alles läuft bestens, das Signal vom Tanker kommt, dass der Schlauch durchgeblasen ist und abgeschlagen werden kann.
Neben dem Anschluß steht der SSO, OLtzS Bernd Lehmann, der den Befehl zum Abschlagen gibt. Nach Lösen der letzten Befestigung gibt es einen Schlag, und das ganze Vorschiff steht unter einer 10 Zentimeter dicken Schicht schweren Heizöls. Schmadding und IO ereilt ein mittelschwerer Herzinfarkt, die Uniform des SSO ist hin, das weiße Hemd von Paul (was steht der auch da ´rum!) ist schwarz gesprenkelt. Mit Gummischiebern wird das Heizöl ins Meer geschoben (der Umweltschutz lässt grüßen!!), in einem Allemannsmanöver (man beachte: Kpt Harre im Blaumann! Nur Kpt Besch macht mit Zigarre im Mund die Kontrollrunde!) wird auf die schmierige Oberfläche eine neue Lage 7001 aufgebracht. Diese Lage konnte man nach dem Hafenbesuch auch so wieder abziehen, was natürlich ein erneutes Reinigen und Pönen erforderlich machte.
Versteht Ihr nun, warum Schiffe immer weiblich sind? Schwierig zu händeln, teuer im Unterhalt und viel Farbe und Kosmetik notwendig !!
Viele Aufgaben der Flotte wurden durch die BAYERN erstmalig durchgeführt. Da gab es beispielweise das Work up training in Portland /England. Es fing ja so gut an. Zum Einlaufen sollte ein Landessalut geschossen werden. Aber was tun, wenn Paul die Salutmunition vergessen hat?
Wissen Sie, was das hier ist? Der Rest einer Übungspatrone, wenn man die Kartusche auf der Drehbank absticht. Von den Heizern war niemand mehr zu sehen…..
Und der Salut war ziemlich mickrig. Ich weiß nicht, wie die Schiffsführung auf das Gezische reagiert hat….
Während der Gefechtsübung dröhnte plötzlich durch den Artillerie-BÜ-Kreis: „Der Kommandant ist tot !!“
Kurze Pause. Dann hörte man die Stimme von Heiner Besch, dem Ersten Offizier: „Soll ich jetzt übernehmen ??“
Worauf die sonore Stimme des Kommandanten zu hören ist: „Nee, Heiner, meine Planstelle kriegst Du nicht !!“
Aber wir haben uns gut geschlagen in Portland.
Und dann ging es mit Heimatumdrehungen zurück nach Wilhelmshaven. Am Ausgang des Kanals ereilte uns ein gelinde ausgedrückt „heftiges Wetter.“
Das Schiffstagebuch sagt dazu:
Mittwoch, 06.März 1968:
05:55 I AO fährt weiter
06:25 Munitionsschacht von Turm D durch Seegang
abgebrochen, Lukendeckel weggerissen
07:49 SVO fährt weiter
09:00 3cm-Radar ausgefallen
09:45 SWO fährt weiter
09:55 Auf Position 52o50,1´N, 04o08,5´E Rettungsinsel 4 losgerissen, Pinasse aus der Verzurrung gerissen und zerschlagen, Geschütz IV beim Überholen des Schiffes von Brecher über Bord gespült.Die Wellenhöhen betrugen zu dieser Zeit 8-9 Meter. Luft 3o C, Wasser 6o C.
Kapitän Harre hat uns sicher wieder nach Hause gebracht. Die Ankunft in Wilhelmshaven verzögerte sich um 1 1/2 Tage. Die Presse erwartete uns bereits und schoss die vielen Aufnahmen der zerschlagenen Backbordseite. Auf 500 000 DM wurde der Schaden beziffert, der dann im Marinearsenal behoben wurde.
Die Welt hat sich verändert. Vieles in der Marine, auch das Schiff. Es wurde grau. Der Turm
(meinTurm!!) musste den MM 38-Flugkörpern weichen, die Brücke wurde geschlossen
Unteroffiziere erhielten „Wäsche vorn“.
Viele Besatzungsmitglieder haben nach uns auf der BAYERN ihren Dienst abgeleistet.
Am 16.12. 1993 wurde „unsere“ BAYERN um 10.15 außer Dienst gestellt.
Viele der damaligen Offiziere und Unteroffiziere sind mir während meiner Dienstzeit wieder über
den Weg gelaufen. Und immer wieder hieß es: Kennen wir uns nicht von der BAYERN?
Der SOPO, KptLt Hülsemann, ist Admiral geworden und KdZ, ich
war sein A4. Dass wir eine gemeinsame Zeit auf der BAYERN
hatten, haben wir erst beim letzten Einlaufen des Schiffes auf der Pier
festgestellt.
Mit dem IIAO, OLtzS Thomas, habe ich heute noch guten Kontakt,
und mit dem SWO, KptLt Giesecke war ich lange bei MUKdo
zusammen.
Hartmut Trimpler hat es bis zum Kommandanten der „Mölders“ und
dann zum Gruppenleiter bei MUKdo gebracht.
Den Nachfolger von KKpt Besch, den Korvettenkapitän Edmund
Kolander, der für damalige Zeit unglaublich lange Haare und immer
die Hände in den Hosentaschen hatte, und den jedes Streichholz an
Oberdeck auf die Palme brachte, traf ich an der Führungsakademie in
Hamburg wieder.
Alle, auch Angehörige späterer Besatzungen, haben immer wieder betont, dass auf der BAYERN eine besonders gute Kameradschaft und ein toller Gemeinschaftsgeist geherrscht habe.
Ich denke, das war es und das wieder zu erleben ist es, was uns alle an
diesem Wochenende hier hat zusammenkommen lassen.
An dieser Stelle fehlt noch ein Dank.
Ein Dank für die viele Arbeit, die in der Vorbereitung und der Durchführung eines solchen Treffens steckt. Ein Dank für die Zusammenstellung und den Druck der Erinnerungsbroschüre, die jeder von Euch erhalten hat.
Dieser Dank gilt in der Hauptsache unseren Kameraden Gerd Leder und Rüdiger Bernoteit für die Initiative und den allergrößten Teil der Arbeit, und den kleinen Helfern, die ich jetzt gar nicht namentlich benennen kann.
Aber auch Trauriges gibt es zu vermelden. Eine ganze Reihe von
Weggefährten sind nicht mehr unter uns.
Erhebt Euch bitte von Euren Plätzen und gedenkt der Kameraden,
deren Namen ich jetzt verlese:
OMt Gerd Aldag
KKpt Heiner Besch
Matr Klemens Dohmen
Gefr Roy Drehe
OMt Gerd Falkenberg
Gefr Peter Fark
OBtsm Friedrich Gasse
OBtsm Sigurd Glaser
OBtsm Horst Haase
          HGefr Walter Kempf
OMt Christoph Kerger
Gefr Walter Kirchhoff
Maat Hans Krause
FltAdm Dr. Helmut Meyer-Abich
Stabsarzt Dr. Wolfgang Pakusa
OMt Reinhard Rother
KKpt Friedrich Rupp
OGfr Walter Rygus
HBtsm Paul Scherer
HGefr Peter Schmidt
OBtsm Horst Schmitz
OMt Paul Wessel
FKpt Ernst von Witzendorf
                                        OMt Uwe Wöhlke
Ich danke Euch.
Was bleibt, ist, Euch ein paar schöne und unterhaltsame Stunden und Tage zu wünschen, die dann möglichst lange in Erinnerung bleiben.
Eine Empfehlung an die Damen: Danke für den Mut, mit hierher zu kommen. Legen Sie nicht alles auf die Goldwaage, was Ihre Männer in diesen Tagen so von sich geben !!
Und an die Männer: Denkt daran: Die Fische, die Ihr gefangen habt, hatten selten die Größe, die Ihr jetzt angebt, die Gefahren waren nie ganz so groß und die Mädels alle keine Topmodels !!!
Herzlichen Dank !!